
„In die andere Richtung jetzt“ von Navid Kermani
Vor kurzem vergnügte ich mich in einer riesigen Buchhändlerfiliale im Nachbarland beim Durchstöbern des Bestands. Zuerst wollte mich nichts so richtig ansprechen. Als ich sagte, dass ich mich für eine deutsche Ausgabe von Bernie Sanders‘ Büchern interessiere, oder auch für Antifaschismus, sah es mau aus.
Irgendwann entdeckte ich den Umschlag des „In die andere Richtung jetzt“ von Navid Kermani, meinem deutschen Lieblingsintellektuellen. Sicher hatte ich schon etwas davon gehört und im Hinterkopf gespeichert. Ich las den Klappentext und schlug dann zu, kaufte das Buch und begann sofort auf dem Sofa des Buchladens zu lesen. Es wurde eines der wenigen Exemplare in letzter Zeit, die ich eifrig in Kürze verschlang.
Navid Kermani reiste für diese Reportage vom Süden Magagaskars quer durch Ostafrika bis in die Nuba-Berge des Sudan. Sein Motiv war, das zur Sprache zu bringen, worüber unsere Medienlandschaft hier meist schweigt. Dabei geht es Kermani vor allem darum, alle möglichen Menschen vor Ort zu interviewen und ihnen eine Stimme zu geben. Es geht um ihre Umwelt, ihren Überlebenskampf, ihre Kriege, ihre Religion und ihre Feste, nicht zuletzt den Totenkult.
Kermani mit seiner umfassenden Sachkenntnis als habilitierter Orientalist und Publizist reflektiert ständig, lässt Gedanken schweifen und versucht, Erlebtes wie von einem anderen Planeten gesellschaftlich und in die Weltgeschichte einzuordnen. Er kokettiert nicht mit der Abenteuerlichkeit seiner Reisen, sondern nimmt den Leser mit und lässt ihn direkt eintauchen in das Geschehen.
Nachdem der Autor so fleißig ist, muss ich wohl zusehen, dass ich mit dem Lesen hinterherkomme. Seit „In die andere Richtung jetzt“ erschienen schon „Zu Hause ist es am schönsten, sagte die linke Hand und hielt sich an der Heizung fest“ und „Wenn sich unsere Herzen gleich öffnen (Über Politik und Liebe)“.