Abu Akleh auf einem Poster in Ost-Jerusalem

SZ: „Tod einer Ikone“, TV-Journalistin Shireen Abu Akleh in Jenin erschossen

Beitragsbild: Abu Akleh in ihrer dienstlichen Schutzweste auf einem Poster an einem Baum in Ost-Jerusalem. Foto: Osama Eid alias Osps7, das Foto steht unter einer Creative-Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0.

Der arabische Fernsehsender Al Jazeera beklagt die „kaltblütige“ Ermordung seiner Korrespondentin Shireen Abu Akleh (1971-2022) am Mittwoch, 11. Mai. Sie befand sich in Ausübung ihrer Arbeit und berichtete mit Kollegen über einen israelischen Militäreinsatz in einem Flüchtlingslager in Jenin, Westjordanland. Abu Akleh soll aus 150 Metern in den Kopf geschossen worden sein. Sie trug wie üblich eine Schutzweste, die sie als Journalistin auswies, und einen Helm. Das Geschoss ist von einem Typ, der sowohl von der israelischen Armee als auch von aufständischen Palästinensern eingesetzt wird.

Zunächst wies Israel die Schuld der palästinensischen Seite zu und publizierte ein entsprechendes Video von Schießereien. Es stellte sich heraus, dass die gezeigten Schüsse nichts mit dem Vorfall um Abu Akleh zu tun haben konnten und die israelische Armeespitze ruderte zurück. Noch gilt die Schuld an der Erschießung als ungeklärt, während Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und auch Al Jazeera bereits klar Israel verantwortlich machten.

Laut Augenzeugenberichten geriet die Gruppe von Journalisten unter Beschuss durch israelische Heckenschützen. Auch nachdem Shireen Abu Akleh zu Boden ging, wurde „unerbittlich“ weitergeschossen. Ihr Kollege Ali Samoudi wurde in den Rücken getroffen. Nach den Augenzeugen waren keine palästinensischen Bewaffneten involviert.

Die israelische Regierung bot eine gemeinsame Untersuchung an, zu der sie die palästinensischen Behörden einlud. Dies wurde als vorgeschoben befunden und von Präsident Abbas zurückgewiesen: „Sie haben das Verbrechen begangen, und wir trauen ihnen nicht“, so Abbas laut der deutschen taz. Die palästinensische Führung sowie Menschenrechtsorganisationen wie Reporter ohne Grenzen fordern eine unabhängige internationale Untersuchung.

Am gestrigen Freitag wurde die arabisch-christliche Abu Akleh in Ost-Jerusalem beigesetzt. Der Zug der Trauernden mit dem Sarg wurde durch israelische Polizisten unter Einsatz von Tränengas angegriffen. Ein schockierendes Video, das Al Jazeera wiederholt ausstrahlt, zeigt, wie der Sarg dabei beinahe zu Boden fällt. Laut der israelischen Polizei hatten sich die Trauernden nicht an die vereinbarte Route gehalten.

Shireen Abu Akleh war nach verschiedenen Angaben wie von einer Kollegin der Neuen Zürcher Zeitung die berühmteste Journalistin im Nahen Osten. Sie galt als die Stimme der Bevölkerung. Die US-amerikanisch-palästinensische Abu Akleh wurde 1971 in Jerusalem geboren. In Jordanien studierte sie zunächst Architektur und dann Printjournalismus. Seit 1997 war sie für die arabischsprachige Al Jazeera (dt. „Die Halbinsel“) tätig. Sie lebte und arbeitete im besetzten Ost-Jerusalem. Von dort reiste sie auch zu ihrem Einsatz am Mittwoch in Jenin. Etwa eine Stunde nach dem erlittenen Kopfschuss wurde Shireen Abu Akleh um 7.15 Uhr morgens im Ibn-Sina-Krankenhaus für tot erklärt.

Als Autor dieses Blogs bin ich zutiefst getroffen von den Nachrichten zu der Erschießung der Journalistin. Es wühlt mich auf und ich fühle mich verpflichtet, die Botschaften weiterzutragen.

Berichte:

Aljazeera.com (English)

Sueddeutsche.de

Wikipedia